Wenige Blocks von Ground Zero entfernt entwickelten vor gut hundert Jahren die Pioniere des modernen amerikanischen Journalismus während ihres heftigen Kampfs um Marktanteile den Comic Strip. Eigentlich wollte Joseph Pulitzer den ungebildeten Massen von New Yorks Einwanderern farbige Reproduktionen der großen Meisterwerke bieten, doch die Ergebnisse der zu diesem Zweck entwickelten Presse für farbigen Zeitungsdruck waren zu schlecht für diesen Zweck. Der Druck einfacher, kolorierter Zeichnungen war für die neue Technologie aber kein Problem, so dass 1893 der erste farbige Cartoon in der «Sunday World» erschien. Pulitzers Rivale William Randolph Hearst zog nach, und bald erschien auch im «New York Journal» ein Cartoon.
Eben diese Geschichte erzählt uns kein anderer als Art Spiegelman im Appendix von “In the Shadow of No Towers”. Dass sich Spiegelman hier der Geschichte der Comics widmet - vor allem seiner ursprünglichen Form, dem sonntäglichen Cartoon-Supplement - hat seine Gründe. Sein neues Buch, in diesem Jahr in den USA erschienen, versammelt zehn großformatige Seiten über den 11. September und seine Folgen. Spiegelman lehnte sich mit seinem Format an die Sonntagscartoons an. Wie ein erfolgreicher Musiker auf der Höhe seiner Karriere, der sich aus Gründen der Reminiszenz wie der Inspiration seiner Plattensammlung widmet, durchforstet Spiegelman sein eigenes zeichnerisches Vokabular und dessen Vorgeschichte, um Trost zu finden, aber auch einen Ankerpunkt, der es ihm ermöglichen soll, eine Gegenwart zu erfassen, die vom Zusammenbruch des Gewohnten geprägt ist. 42 Pappseiten
This product was added to our catalog on Tuesday 20 July, 2010.